Auch die Gemeinschaft zählt (Bericht aus der Norddeutschen vom 26.05.2016)

Jury des Bundeswettbewerbs Wohneigentum besucht die Siedlergemeinschaft Aumund I

Bild in Lightbox öffnen (open image in lightbox). Manfred Baumgart (rechts) schildert der Jury das Leben in der Siedlung.

Aumund-Hammersbeck. Sie fühle sich rundum wohl in ihrem Haus, sagt die Aumunderin. Drei Häuser der rund 1200 Mitglieder der Siedlergemeinschaft Aumund I werden an diesem Mittwochmorgen im Rahmen des Bundeswettbewerbs „Wohneigentum – heute für morgen“ besichtigt und nach verschiedenen Kriterien bewertet. Die Siedlergemeinschaft, Sieger auf Landesebene, nimmt erstmals am Bundeswettbewerb teil, neben 14 weiteren Gemeinschaften in ganz Deutschland. Das
Ziel: die Endausscheidung in Berlin im September dieses Jahres.
Sie und ihr Ehemann hätten schon lange von einem ebenerdigen Bungalow geträumt, erzählt die Bewohnerin des Ginsterwegs. „Wir haben in der Gegend schon gewohnt. Und als die Eheleute, die hier gelebt haben, irgendwann in einem Seniorenheim waren und die Kinder das Grundstück angeboten haben, haben wir es gekauft.“ Das Haus sei allerdings nicht mehr zu sanieren gewesen. Also hätten sie es abgerissen und unter modernsten Gesichtspunkten neu gebaut. So besitzt der Neubau beispielsweise eine Fußbodenheizung und ein Gasbrennwertgerät, das die Energie aus den Abgasen zurückgewinnt und wieder verwertet.
Alle Räume sind barrierefrei zu erreichen. Die Hauseingangstür entspricht modernen Sicherheitskriterien. Die Türen der Räume
sind breit und damit für die problemlose Durchfahrt von Rollstühlen geeignet. Und die Waschbecken sind so angebracht, dass ein Rollstuhl weitestgehend darunter und somit direkt davor fahren kann.
„Das komfortable Wohnen für alle Generationen steht im Vordergrund“, sagt Jurymitglied und Architekt Heinrich Rose. 13
Siedlergemeinschaften hatten er und seine vier Jury-Kollegen und eine -Kollegin bereits begutachtet. Tags zuvor eine in Hamburg. Nach der Besichtigung in Bremen ging es am Nachmittag noch weiter nach Nordrhein-Westfalen. Fast alle Bundesländer – außer Mecklenburg-Vorpommern – nahmen diesmal am Bundeswettbewerb teil. Bewertet und prämiert werden bei dem
Wettbewerb, der zum 26. Mal zukunftsorientierte Siedlungen in ganz Deutschland auszeichnet und unter der Schirmherrschaft des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit steht, Kriterien wie Energieeffizienz,
Barriere-Reduzierung, die Ökonomie des Wohneigentums, die Ökologie und das soziale Engagement der Gemeinschaft.

In Aumund-Hammersbeck besuchen einmal in der Woche Kinder der Grundschule Borchshöhe das Spielhaus in der Apoldaer
Straße, das der Siedlergemeinschaft unter anderem für Veranstaltungen und Sitzungen dient. Dort werden laut Manfred Baumgart, langjähriger erster Vorsitzender, gemeinsam handwerkliche Arbeiten mit den Kindern durchgeführt.
Ortsamtsleiter Heiko Dornstedt liefert ein weiteres Beispiel für soziales Engagement. Er verweist auf den Spielplatz gleich
neben dem Spielhaus, der noch saniert wird. Bei dem gemeinsamen Projekt mit der Schule Borchshöhe und der Kita Flintacker seien auch die Wünsche der Kinder berücksichtigt worden. Der Beirat habe die Sanierung finanziell unterstützt, und die Siedlergemeinschaft habe dafür Geld gesammelt. Davon seien unter anderem neue Spielgeräte angeschafft und Rückzugsmöglichkeiten für Mütter mit Kindern gestaltet worden. Im Spielhaus selbst präsentieren die Mitglieder der Jury anhand von Fotos und Presseartikeln über die zahlreichen Aktionen und Veranstaltungen der vergangenen Monate und Jahre, beispielsweise das Maibaumfest der Gemeinschaft. Bei einem anderen Themenbereich des Wettbewerbs, der Energieeffizienz, werden beispielsweise Kriterien wie der technische und optische Zustand der Haupt- und Nebengebäude allgemein bewertet, ob
Wärmedämmungen durchgeführt wurden, welche Technik zur Deckung des Energiebedarfs überwiegend zum Einsatz kommt
und ob die Gemeinschaft Beratung anbietet und Unterstützung, zum Beispiel bei der Energieberatung. Möglich ist es, hier eine
Punktzahl zwischen 20 und fünf zu erreichen, zwischen „vorbildlich“ und „teilweise erfüllt“. Bei Klimaschutz und Ökologie will die Jury unter anderem erfahren, ob Möglichkeiten zur Förderung des Naturschutzes genutzt werden, ob die baulichen Anlagen wie eine Gartenhütte der Gartengröße angepasst sind und ob die Grundstücksabgrenzungen nachbarschaftsfreundlich
sind. Alles in allem fließen für alle Bewertungsbereiche zahlreiche Kriterien, im Durchschnitt zehn, in die Beurteilung des
Gesamtbildes ein. Aktuell zählt die Siedlergemeinschaft
Aumund I nach den Worten von Manfred Baumgart etwa 1200 Mitglieder. 550 Mitglieder haben ihre Häuser im Kernbereich
Aumund-Hammersbeck, wo die Siedlung in den 1930er-Jahren entstanden ist. Weitere sind in Beckedorf, Leuchtenburg, Schö-
nebeck und anderweitig beheimatet. Die Gemeinschaft bietet ihren Mitgliedern verschiedene Vorteile neben den zahlreichen
Aktivitäten beispielsweise eine kostenlose Rechtsberatung bei Haus- und Grundstücksproblemen, eine im Beitrag enthaltene Haftpflichtversicherung für das Grundstück sowie Einkaufsrabatte bei verschiedenen Handelspartnern. Wie sie abgeschnitten haben, erfahren die Mitglieder der Siedlergemeinschaft erst in ein paar Monaten, beim Bundesentscheid in Berlin.

Bild in Lightbox öffnen (open image in lightbox). Einmal in der Woche kommen Viertklässler der Grundschule Borchshöhe zu Besuch ins Spielhaus Apoldaer Straße.