Auch wir wollen einmal Sieger werden - Die Siedlergemeinschaft Aumund I tritt mit guten Argumenten beim Bundeswettbewerb „Wohneigentum - heute für morgen“ an.

Den zweiten Platz hat sie schon häufiger errungen, die Siedlergemeinschaft Aumund I. In den vergangenen Jahren war es immer eine Bremerhavener Gemeinschaft, die den ersten Platz im Land Bremen beim Bundeswettbewerb „Wohneigentum - heute für morgen“ belegte. Jetzt wurden die Statuten geändert, der Sieger aus 2014 darf in diesem Jahr nicht erneut antreten. So rechnet sich Manfred Baumgart, der erste Vorsitzende der Siedlergemeinschaft Aumund I, eine gute Chance aus, auch einmal auf dem Siegertreppchen ganz oben zu landen. Hauptsächlich mit sozialem Engagement will er punkten. Vor dem „Spielhaus“ an der Maibaumwiese erläuterte er, wie sehr sich die Gemeinschaft sozial engagiert. Eine hochrangige Kommission aus Bremerhaven unter der Leitung der Schirmherrin, Stadträtin Frau Dr. Jeanne-Marie Ehbauer, die selbst ausgebildete Architektin und Stadtplanerin ist, beurteilt diverse Siedlergemeinschaften, die sich zum Wettbewerb angemeldet haben. Auch die anderen „Prüfer“ sind vom Fach: Frau Heckemeier (Stadtplanungsamt), Herr Nannen (Architekt), Herr Sheldon (Landespfleger), Herr Bade (Bauordnungsamt), Frau Hubo (Landesgeschäftsführerin) und Herr Schmidt (erster Vorsitzender Verband Wohneigentum Bremen e.V.). Bei der sozialen Komponente hat der Verein tatsächlich einiges vorzuweisen. Für Feiern werden Zelte und Bierzeltgarnituren verliehen, bei der Selbsthilfe für ältere Mitbürger organisiert er diverse Angebote. Im Stadtteilgeschichtskreis beschäftigen sich Interessierte mit der Vergangenheit des Quartiers, der PC-Kurs für ältere Mitbürger hat regen Zulauf, im Spielekreis treffen sich Alt und Jung. Bei Aktionen wie beim Frühjahrsputz, bei der Aufstellung einer neuen Schaukel auf dem benachbarten Spielplatz oder bei der Unterstützung des Krötenschutzes wäre ohne die Mitglieder nichts zu bewegen. Gemeinsame Bestellungen von Öl oder Blumenerde, das Aushandeln von Einkaufsrabatten bei vielen Baumärkten, Geschäften und Dienstleistern bringen auch finanzielle Vorteile. Schüler der nahegelegenen Grundschule kommen einmal die Woche zu einer „Fahrradwerkstatt“. Neben der Reparatur von Fahrrädern dürfen die Kids hier einen Staubsauger auseinander nehmen, das Innenleben eines Bügeleisens erkunden oder - besonders bei Mädchen beliebt - Löcher in Baumstammabschnitte für ein Insektenhotel bohren. Und manch ein einsamer Angehöriger der Gemeinschaft freut sich über das kurze Gespräch mit dem Ausbringer der Vereinszeitung. Man kommt zusammen, redet miteinander, macht zusammen Fahrten, Fahrradausflüge und Museumsbesuche. Auch Vereinsfremde sind bei den Aktionen stets willkommen, der Leitgedanke ist, das Wohnquartier lebens- und liebenswerter zu gestalten. Hierzu dienen auch die Feste, die von der Gemeinschaft ausgerichtet werden. Das Maibaumsetzen zieht jedes Jahr mehr Besucher an, das Laternelaufen, das Nikolausfest und die Teilnahme beim Fest der Vereine sind nur einige Beispiele. Natürlich ist das alles mit erheblichem Aufwand verbunden. Lagerräume wurden gebaut, Versammlungsräume müssen angemietet werden, Kontakte mit dem Bauamt, der örtlichen Politik und mit der Energiekonsens gepflegt werden.

Neben dem sozialen Gesichtspunkt sollten aber noch weitere Argumente die Kommission überzeugen. Ein Gang durch das Quartier zeigte, dass sich die Wohnform von der ehemaligen Siedlung - bedingt durch den Generationenwandel - langsam in Richtung Individualität verändert.

Bild in Lightbox öffnen (open image in lightbox). Sie nehmen das Quartier genau in Augenschein: Gudrun Heckemeier, Wolfgang Schmidt, Dr. Jeanne-Marie Ehbauer, Jürgen Sheldon, Heinrich Bade, Ursula Hubo, Manfred Baumgart, Manfred Jaskiewitz, Fritz Nannen (v. l.)

Viele alte Gebäude wurden stilvoll unter Bewahrung der ursprünglichen Formen renoviert, daneben gibt es aber auch Neubauten, die ein völlig anderes Bild prägen. Ein interessantes Beispiel für die Bewahrung des Alten konnte sich die Kommission bei der Familie Greive ansehen. Unter Beibehaltung der alten Bausubstanz sind die Eigentümer dabei, das Haus ökologisch den heutigen Bedürfnissen anzupassen. Wandheizung, Innenputz aus Lehm, Fenster und Türen neu, ohne den alten Stil zu verfälschen, die Gartengestaltung ausgewogen zwischen naturbelassen und Nutzfläche: ein gelungenes Beispiel für den schonenden Umgang mit den Ressourcen.

Bild in Lightbox öffnen (open image in lightbox). Frauke Greive zeigt, wie der Lehmputz auf die Wandheizung aufgebracht wird.

Kritischer wurde dagegen ein Baugebiet beurteilt, das neben dem Aumunder Friedhof entstehen soll. Insbesondere die geplante Straßenführung, die die Wohnqualität einiger Siedlergemeinschaft-Mitglieder stark beeinträchtigen wird, erscheint als Fehlplanung. Leider ist der Einfluss der Siedlergemeinschaft nicht ausreichend, um hier mehr als kleinere Korrekturen anzuregen. Insgesamt aber, so Baumgart, ist das Einzugsgebiet des Vereins, nicht zuletzt durch die Beratung und Vorbildfunktion der Mitglieder, ein Gebiet, in dem das Wort „lebenswert“ noch seiner Bedeutung entspricht.